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Schweizer Meisterschaft Voltige Fehraltdorf
Wechsel in der Hierarchie

Pferdewoche 38/09, Sascha P. Dubach

Am vergangenen Wochenende fand im zürcherischen Fehraltorf die 33. Schweizer Meisterschaft der Voltigierer statt. Dabei dominierten die Lütisburger Teams sowohl bei der Elite wie auch bei den Junioren. Gold im Einzel eroberten bei den Herren Dimitri Suhner (Elite) und Michael Stalder (Junioren) und bei den Damen Simone Jäiser (Elite) und Chloe Müller (Junioren).

Die grosse Tribüne in der Reithalle Barmatt auf der gleichnamigen Pfer­derennbahn in Fehraltorf war zum Bersten gefüllt, als es am Sonntagnachmittag zum «Showdown» der Elite-Gruppen kam. Die Startreihenfolge ergab sich aus der umgekehrten Rangierung der Pflichtbewertung vom Vormittag und so kam es am Schluss zum Duell zwischen der Elite-Gruppe aus dem Nationalen Pferdezentrum in Bern (NPZ I) und den EM-Silbermedaillengewinnern und Titelverteidigern Lütisburg I. Einen herben Rückschlag musste vorab das Team Garten I (Turbenthal) mit Albert Stump an der Longe hinnehmen. Beim Aufwärmen kam es zu einem Sturz, bei dem sich zwei Mädchen derart verletzten, dass das Team aufgeben musste. Stäfa I – das drittplatzierte Team nach der Pflicht – schaffte es nicht, die gute Ausgangslage auszunutzen und fiel vom Podest auf den siebten Schlussrang zurück. Davon profitieren konnte das viertplatzierte Team Athleta I (Biel) mit Trudi Kauer an der Longe. Auf Viva Alegria voltigierten sich die Mädchen auf den Bronze-Platz. Dann war die Reihe an NPZ I mit Vanessa Rusca an der Longe. Auf Aron von Eichhof CH zeigte die Truppe eine ausdrucksstarke und sichere Kür zu sinnlicher Musik von Whitney Houston, welche das Richtergremium mit 8.123 benotete. Eine schöne Ges­te der Berner Voltigierer war zudem, dass sich alle nach der Kür an den Zirkelrand begaben und die nachfolgenden Favoriten Lütisburg I beklatschten und lautstark anfeuerten. Mit einem grossen Vorsprung aus der Pflicht zeigte das Ostschweizer Team mit Longenführerin Monika Bischofberger ei­ne spektakuläre Vorfüh­rung zu eher unspektakulärer Musik von «Moulin Rouge». Eine optimale Mischung aus Eleganz verbunden mit Höchstschwierigkeiten im «dritten Stock». Das Fazit war klar: Zum dritten Mal eroberte das Bischofberger-Team die Goldmedaille. «Wir sind überglücklich. Unser Saisonziel war eigentlich nur die Europameisterschaft in Schweden. Und mit dem Medaillengewinn war dies mehr als erfüllt. Die heutige Kür haben wir erst Mitte August begonnen zu trainineren. Dass es jetzt zu Gold reichte, ist noch das Sahnehäubchen einer perfekten Saison», meinte die überglückliche Longenführerin.

Ewiges Duell
Bei den Herren der Schöpfung kam es einmal mehr zum Duell zwischen Dimitri Suhner und Patric Looser. Die beiden trafen in Fehraltorf zum insgesamt 13. Mal an einem nationalen Championat aufeinander. Dabei stand Dimitri erst ein einziges Mal – und zwar 2003 in Arnegg – zuoberst auf dem Podest. Und auch in diesem Jahr standen die Vorzeichen so, als ob es wieder «nur» zu Silber reichen würde. Patrick Looser wurde von den Richtern sowohl in der Pflicht als auch in der Kür – zwar nur knapp – höher bewertet. Doch dann schlug die Stunde des 26-jährigen Ostschweizers «Dimi». Auf seinem eigenen Pferd Kiwi II CH an der Longe von Michael Heuer, der ebenfalls Patric betreute, zeigte er ein hervorragendes Technikprogramm. Dank diesem schaffte er es, Patric zu überholen und sich mit dem knappen Vorsprung von 0.038 Punkten die Goldmedaille zu sichern. «Ich habe meine Chance gesehen. Aus meiner Sicht ist mir das Technikprogramm einfach perfekt geglückt. Einzig bei der Pflicht gibt es noch ein, zwei Kleinigkeiten, die ich noch verbessern könnte. Aber ich bin mega happy, auch über die tolle Zu­sammenarbeit mit mei-nem Longenführer Mi­chael Heuer», so der frischgebackene Schweizermeis­ter.

Gold für Jäiser
Bei den Damen entwickelte sich ein Dreikampf der letztjährigen Medaillengewinner. 2008 hiess die Reihenfolge noch Marion Graf, Simone Jäiser und Melanie Guillebeau. Melanie vom Reitclub an der Thur zeigte auf Figaro IV CH an der Longe von Monika Bischofberger eine gute Pflicht und Kür, musste dann aber in der Technik kurz vom Pferd ohne dabei jedoch loszulassen. Im End­effekt war ihr damit erneut der Bronzeplatz geglückt. Die 22-jährige Marion Graf, die 2007 und 2008 Gold gewann, erhielt ebenfalls auf Figaro die ­exakt gleiche Kür-Note wie Simone Jäiser vom einheimischen Voltige-Club Harlekin. Da Simone auf Luk mit Rita Blieske an der Longe aus Sicht der Richter die minim bessere Pflicht zeigte, setzte sie sich im Zwischenklassement an die Spitze. Die Kauffrau aus Effretikon, die schon mit vier Jahren mit dem Voltigesport begann, liess im Technikprogramm nichts mehr anbrennen und gewann nach zweimal Silber nun die Goldmedaille. Mit dem winzigen Abstand von nur 0.022 Punkten gab es für Marion Graf die Silbermedaille.

Und wieder Lütisburg
Auch bei den Junioren-Gruppen führt im Moment kein Weg an den Lütisburgern vorbei. Das Team mit Longenführerin Stefanie Brägger zeigte auf dem 14-jährigen Hannoveraner-Schimmel eine technisch anspruchsvolle und äusserst elegante Kür und sicherte sich so nach Gold 2006 und Silber im vergangenen Jahr verdient die Goldmedaille. Die weiteren Podestplätze sicherten sich die beiden einheimischen Teams aus Fehraltorf. Silber gab es für Harlekin Junioren I und Bron­ze für das Team II. Erfeulicherweise starteten gegenüber der Elite bei den «Junioren-Herren» deren drei Voltigierer. Michael Stalder (NPZ Bern) verteidigte auf Aron von Eichhof CH seinen Titel vom vergangenen Jahr vor seinem Teamkollegen Lukas Heppler auf Waimar CH. Bronze eroberte Cyril Michel (Biel-Ipsach) auf Scaramouche II CH. Das Nationale Championat der Herren Junioren wurde erst zum zeiten Mal durchgeführt. Bei den Juniorinnen schwang die letztjährige Bronzegewinnerin Chlöe Müller obenauf. Auf dem gleichen Pferd wie Stalder eroberte sie die Goldmedaille vor Illona Hannich (NPZ) und Helena Röll (Calimero Wermatswil).

Ein positives Fazit zog Voltige-Präsident Roland Böhlen: «In den vergangenen Jahren, vor allem seit der Einführung der höheren Bewertung der Pferde, ist in der Schweiz ein grosser Schritt nach vorne passiert. Dies zeigt auch, dass wir nach einer kleinen Durststrecke auch auf internationalem Niveau wieder voll dabei sind.»
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